Stop Motion Video erstellen mit Smartphone oder Tablet

Berühmte Stop Motion Filme

Einer meiner persönlichen Favoriten ist „Der fantastische Mr. Fox“:

Absolut genial und aus meiner Sicht unerreichbar sind die „Wallace und Gromit“ Filme:

Sicher allen ist noch folgender knuddelige Kerl in Erinnerung:

Zum Anfangen mit Stop Motion eignen sich hervorragend Lego. So gibt es sogar einen eigenen Ausdruck dafür: Brick Movie. Ein solches Projekt nahm sich den berühmtesten Filmszenen an und zeigt diese nun als Zusammenschnitt in Form eines Brick Movies:

Gerätehalterung

Wenn ihr mit Handy oder Tablet filmt, müsst ihr euch zuerst eine Gerätehalterung basteln.

In den nachfolgenden Videotutorials wird gezeigt, wie dies geht:

Oder eine andere Variante:

Der Fantasie sind bereits hier keine Grenzen gesetzt. Ich habe mir zum Beispiel für ein Projekt aus dem Filmset (Legosteine) eine Handyhalterung gebastelt:

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Tipp: Überlegt euch, aus welcher Perspektive ihr eure Szene filmen wollt. Hier eine kurze Einführung in die Kameraperspektiven und ihre Wirkungen:

http://www.filmmachen.de/film-grundlagen/bildgestaltung/kameraperspektive

Kulisse

Am besten richtet ihr eure Kamera jetzt so aus, dass ihr genügend Platz habt, um eine Kulisse aufzubauen. Dies könnte z.B. am Ende eines Tisches sein:

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Jetzt braucht ihr eine Bühne, auf welcher sich eure Figuren bewegen. Diese kann mit Legosteinen gebaut werden, wie in diesem Video schön gezeigt. Oder ihr könnt zum Beispiel auch eine magnetische Unterlage nehmen, wenn ihr eure Protagonisten mit Magneten ausrüstet.

Tipps:

  • Achtet darauf, dass der Bereich zwischen „Schauspieler“ und Kamera nicht durch Teile der Kulisse (Bäume, Fahrzeuge, Gebäudeteile o.ä.) verdeckt wird. Sonst sieht man später im Film gar nicht mehr, dass sich die Figuren bewegen.
  • Markiert eure Kamerapositionen, dass ihr jederzeit wieder wisst, wie ihr die Kamera ausrichten müsst. (siehe Bild aus meinem Projekt)

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Mit Post-It markierte Kameraposition

Mit Post-It markierte Kameraposition

Vergesst den Hintergrund eurer Szene nicht! Dieser kann statisch sein, oder auch beweglich, um die Illusion von Bewegung zu erschaffen. Alte Kalenderbilder oder Poster können hier gute Dienste erweisen. Möglich sind auch qualitativ hochwertige Ausdrucke. Die Bilddateien hierfür könnt ihr auf folgender Seite gratis herunterladen:

https://www.pexels.com/de/

Das gute an diesen Bildern ist, dass alle unter der CC0 Lizenz veröffentlicht wurden. Das heisst, man kann sie für alle legalen Zwecke gebrauchen, kann sie kostenlos kommerziell und privat verwenden, man kann sie verändern, kopieren, bearbeiten und Namensnennungen sind nicht nötig. Kurz zusammengefasst: Auch wenn ihr eure Videos später auf Youtube veröffentlicht, kriegt ihr keine Probleme.

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Und jetzt noch das Licht. Je heller ihr die Grundausleuchtung wählt, desto bessere Bilder könnt ihr machen. Ich würde mit mind. 2 Lichtquellen arbeiten, dass ihr unerwünschte Schatten verhindern könnt. Ihr könnt die Szenerie direkt beleuchten oder indirekt, indem ihr zum Beispiel einen Reflektor aus Papier oder Alufolie bastelt. Versucht Tageslicht zu vermeiden. Da ein Dreh ziemlich lange dauert, wirkt es dann komisch, wenn man plötzlich während des Films unterschiedliche Lichtverhältnisse hat.

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mein Filmset

mein Filmset

Drehbuch

Überlegt euch was in eurem Film passieren soll. Wie viele Schauspieler wollt ihr einbauen? Je mehr Figuren ihr gleichzeitig bewegen und arrangieren müsst, desto komplizierter und aufwendiger wird es. Beim ersten Projekt würde ich also mit einem Protagonisten starten.

Storyboard

Bei grösseren Filmprojekten empfiehlt es sich ein Storyboard zu zeichnen. Dies ist sozusagen eine Bildergeschichte, wie die einzelnen Szenen ablaufen sollen. Zum Anfangen denke ich mir, braucht es aber keines, da wir ja eh nur eine kurze Filmsequenz drehen.

Der Dreh

Einfach gesagt, ist ein Stop Motion Film nichts anderes, als die Aneinanderreihung vieler Fotos. Dies lässt sich grundsätzlich mit einer Kamera und Videoschnittprogrammen wie dem Microsoft Movie Maker bewerkstelligen. Für Handy und Tablet gibt es aber auch spezielle Apps. Eines welches für Mac OS und Android programmiert wurde, ist das Stop Motion Studio. Die Android Version findet ihr auf Google Play und die Mac OS Version im App Store.

Auf der Website der verantwortlichen Softwarefirma findet sich auch eine englische Anleitung:

http://www.cateater.com/support/en/stopmotion/stopmotion-main.html

Tipps:

  • Die Grundeinstellung der App passt für die ersten Filmprojekte. Da muss man nicht viel ändern.
  • Ich rate dir, die „Overlay Transparency“ so einzustellen, dass du das vorher geschossene Bild noch leicht durchschimmern siehst.
  • Ich liebe die Selbstauslösefunktion. Da rate ich euch, stellt 5s ein, dann habt ihr für die meisten Bilder genügend Zeit zum Umstellen. Wenn die Zeit mal nicht reicht, macht nichts, die Bilder mit euren Händen drauf, kann man später ganz leicht rauslöschen.

Die Nachbearbeitung

Nachdem du mit deinem Handy/ Tablet den Dreh abgeschlossen hast, ist der Film noch nicht fertig. Jetzt gilt es das Material zu schneiden, mit Ton zu hinterlegen und Vor- und Abspann hinzuzufügen. Täusche dich nicht, wenn du einen wirklich guten Film produzieren willst, ist dieser Teil der Arbeit genau so wichtig und zeitintensiv wie der Dreh selbst!

Da bietet die App auch in der Gratisvariante einige Grundfunktionen, welche für ein erstes Projekt durchaus genügen. So kann ich einige Masken einstellen oder was aus meiner Sicht viel wichtiger ist: Du kannst deine Bilder vertonen. Zwar gibt es nicht wie in der Bezahl-App eine ganze Datenbank mit Tonbeispielen, jedoch kann man ja Töne auch selber sammeln. Also: Ab nach draussen! Falls du halt den Ton einer Explosion brauchst, warte kurz und lies weiter, bevor du etwas in die Luft sprengst, nur um den perfekten Ton zu kriegen 😉
Entweder bastelst du dir deine Töne selbst:

Oder du suchst im Internet nach Tönen und zeichnest diese mit dem Handy oder Tablet direkt im Programm auf.

Zum Beispiel hier:

http://theaterverlag.eu/28.Sounds__Geraeusche.html

oder hier:

http://www.salamisound.de/

Du brauchst noch Stimmungsmusik? Schnapp dir ein Glockenspiel und vertone deine Bilder!

Suchst du noch einen passenden Soundtrack? Hier findest du ihn:

https://www.terrasound.de/gemafreie-musik-kostenlos-downloaden/

Leider ist es in der Gratisvariante nicht möglich einen Vor- oder Abspann einzufügen. Wenn du  sowas willst, bleiben dir folgende Möglichkeiten:

  • Lade dir die Bezahl-App herunter. (eher nicht machbar mit einer ganzen Klasse)
  • Oder was zwar umständlich ist, aber dafür gratis: Lade den fertigen Film auf den Pc, öffne ihn in einem Videoschnittprogramm (Movie Maker) und bearbeite ihn dort noch einmal. Und speichere ihn dann erneut ab. (Ok, ich geb’s ja zu: Dies ist wohl nur was für Nerds…)
  • Für die Primarschule eignet sich aber hervorragend die Variante mit handgeschriebenen Zetteln. Die finde ich definitiv am coolsten! Etwas in der Art:

Wenn du fertig bist mit deiner Nachbearbeitung, kannst du dein Projekt veröffentlichen. Am besten geht das, indem du es auf Youtube hochlädst.

Zeitraffer

Der Zeitraffer oder auf Englisch Time Lapse ist eine besondere Form des Stop Motion. Nur wird nicht jede 5. Sekunde ein Bild geschossen, sondern über einen längeren Zeitraum immer wieder ein Bild. Setzt man diese anschliessend mit einem Videoschnittprogramm zusammen, ergibt dies den Zeitraffer. Hier einige schöne Beispiele:

Zeitraffer One World Trade Center:

Every Day, von Noah Kalina:

Ein wachsender Baum über 5 Jahre:

Es gibt aber auch Mischformen. Hier wieder mal ein Legofilm:

 


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